Wenn der Generationswechsel ansteht: So unterstützt die Handwerkskammer

Die Unternehmensnachfolge gehört für viele Handwerksbetriebe zu den größten Herausforderungen. Wer übernimmt den Betrieb, wenn der Inhaber oder die Inhaberin in den Ruhestand geht? Eine frühzeitige und strukturierte Planung ist entscheidend, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Die Handwerkskammer unterstützt Betriebe dabei mit vielfältigen Angeboten. Im Interview erläutert Projektmitarbeiterin für die Unternehmensnachfolge Christin Steinicke, wie die Kammer begleitet und warum es sich lohnt, das Thema rechtzeitig anzugehen.

Warum ist die Unternehmensnachfolge im Handwerk so ein wichtiges Thema?

Die Nachfolge entscheidet letztlich darüber, ob ein Betrieb eine Zukunft hat oder nicht. Wird das Thema zu lange aufgeschoben, droht im schlimmsten Fall die Betriebsschließung. Dabei geht es um weit mehr als nur das einzelne Unternehmen: Arbeits- und Ausbildungsplätze stehen auf dem Spiel, ebenso gewachsene regionale Strukturen und Kooperationen zwischen Betrieben. Das Handwerk ist ein zentraler Bestandteil unserer Wirtschaft und Gesellschaft – umso wichtiger ist es, bestehende Betriebe zu erhalten und erfolgreich in die nächste Generation zu führen.

Welche typischen Herausforderungen erleben Sie bei den Betrieben?

Ich arbeite nun seit fast einem Jahr im Projekt und erlebe häufig, dass Betriebe das Thema Nachfolge lange vor sich herschieben oder glauben, keine Unterstützung zu benötigen. Neben fehlender Zeit mangelt es oft auch am Bewusstsein für die Komplexität eines Nachfolgeprozesses. Der Fachkräftemangel und die sinkende Bereitschaft ein unternehmerisches Risiko einzugehen, verschärfen die Situation zusätzlich. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger ist heute deutlich anspruchsvoller als noch vor einigen Jahren. Genau hier setzen unsere Informations- und Unterstützungsangebote an.

Wie unterstützt die Handwerkskammer konkret?

In der Regel nehmen wir zunächst telefonisch Kontakt auf. Besteht Interesse, das Thema zu vertiefen, vereinbaren wir einen Termin für einen sogenannten Nachfolgecheck. Dabei analysieren wir gemeinsam, wo der Betrieb aktuell steht, ob bereits eine Nachfolgelösung existiert und wie der Übergabeprozess in den kommenden Jahren gestaltet werden kann.
Auf dieser Grundlage entwickeln wir einen zeitlichen Fahrplan. Unsere Betriebs- und Rechtsberater begleiten den Prozess anschließend inhaltlich weiter – etwa bei Fragen zur Übergabe, zu Rechtsformen, zur Bewertung des Unternehmens oder zur Existenzgründung. Auch unser Bildungszentrum binden wir bei Bedarf ein, beispielsweise wenn eine Meisterqualifikation erforderlich ist oder Weiterbildungen zur Stärkung unternehmerischer Kompetenzen sinnvoll erscheinen. Ergänzend bieten wir Veranstaltungen, Webinare und Fachbeiträge zum Thema an. So findet am 12.03.2026 eine Online-Veranstaltung zum Thema „Zeitwertkonten in Handwerksbetrieben – ein strategisches Instrument für Mitarbeiterbindung, Vorsorgeplanung und erfolgreiche Unternehmensnachfolge“ statt. Ein Blick auf unsere Website https://betriebsberatung-ostbrandenburg.de/projekt-unternehmensnachfolge/ lohnt sich daher immer.

Welche Rolle spielen Nachfolgebörsen und welche Möglichkeiten bieten sie?

Nachfolgebörsen sind ein zentrales Instrument unserer Projektarbeit. Sie bringen Betriebsinhaber und Nachfolgeinteressierte zusammen und ermöglichen im besten Fall ein passendes „Matching“. Neben der eigenen Betriebsbörse der Handwerkskammer nutzen wir unter anderem nexxt-change sowie die Nachfolgezentrale Brandenburg.
Letztere ist eine gemeinsame Initiative aller Kammern in Brandenburg und der Bürgschaftsbank Brandenburg und funktioniert als anonyme Matching-Plattform. Ich vergleiche sie gern mit einer Datingplattform, um das Prinzip anschaulich zu machen. Unterstützungsbedarf besteht häufig bei der Erstellung eines aussagekräftigen Inserats – dabei helfen wir gern. Wichtig ist, die Besonderheiten und Potenziale des eigenen Betriebes klar herauszustellen, um die Chancen auf einen passenden Nachfolger zu erhöhen.

Wie können Betriebe Kontakt aufnehmen, wenn sie Unterstützung möchten?

Am einfachsten ist es, direkt zum Telefon zu greifen und uns anzurufen. Natürlich ist auch eine Kontaktaufnahme per E-Mail möglich. Wer sich zunächst unverbindlich informieren möchte, findet auf unserer Website www.hwk-ff.de umfassende Informationen. Uns ist wichtig, dass Betriebe jederzeit einen niedrigschwelligen Zugang zu Unterstützung haben.

Gibt es neue Angebote für 2026?

Ja, wir erweitern unser Informationsangebot und starten einen eigenen Podcast zum Thema Unternehmensnachfolge. Darin greifen wir echte Erfahrungen aus Nachfolgeprozessen auf und stellen praxisnahe Beispiele vor. Der Podcast bietet einen unkomplizierten Einstieg ins Thema und soll sensibilisieren. Interessierte können anschließend gern auf uns zukommen, wenn sie eine individuelle Beratung wünschen.

Interview: Mirko Schwanitz

Ansprechpartner

Christin Steinicke

Projektmanagerin Unternehmensnachfolge

Telefon:0335 5619 - 209

Telefax: 0335 5619 - 123

christin.steinicke@hwk-ff.de

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